Konsens
Kurz & Knapp
- Konsens ist ein anderes Wort für gegenseitige Zustimmung oder Übereinstimmung.
- Zustimmung heißt: Die beteiligten Personen sind freiwillig einverstanden. Alle wollen das, was gemacht wird.
- Sex (Zungenküsse, Petting, Geschlechtsverkehr) ist nur erlaubt, wenn alle einverstanden sind.
Du bist verliebt und möchtest eine Person küssen. Wie zeigst du das dieser Person? Und wie kriegst du heraus, ob sie es auch möchte?
Oder deine Partnerin oder dein Partner möchte mit dir schlafen. Du willst das aber nicht. Wie sagst oder zeigst du das?
Diese Fragen sind manchmal gar nicht so einfach zu beantworten. Aber du kannst lernen, offen über deine Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche zu sprechen.
Was ist Konsens? Warum ist Konsens wichtig?
ist ein anderes Wort für Übereinstimmung. Konsens heißt: Die beteiligten Personen sind einverstanden, ohne dass sie jemand beeinflusst. Also: Du möchtest eine Person gern küssen und diese andere Person möchte auch gern von dir geküsst werden.
Konsens ist wichtig, damit keiner Person etwas passiert oder sie etwas tut, was sie nicht möchte. Alle Menschen haben unterschiedliche Grenzen. Es ist wichtig, diese zu respektieren. Ohne Konsens ist (Zungenküsse, , ) strafbar.
Wie zeigst du Ablehnung oder Zustimmung?
In Deutschland gilt: Wenn sexuelle Handlungen erkennbar abgelehnt werden, muss das akzeptiert werden. Das wird auch Nein-heißt-nein-Regel genannt. Niemand darf dich zu Sex überreden, dich unter Druck setzen oder sogar zwingen. Genauso musst du die Grenzen anderer respektieren. Ablehnung kann in Worten geäußert werden. Du kannst zum Beispiel sagen: „Ich möchte das nicht.“ Oder: „Stopp!“ Oder: „Das gefällt mir nicht.“ Ablehnung kann auch ohne Worte ausgedrückt werden, zum Beispiel, indem du die andere Person wegschiebst, dich wegdrehst oder weggehst. Wichtig: Du darfst das jederzeit tun.
Beispiele: Nur weil du angefangen hast, jemand zu küssen, musst du damit nicht weitermachen. Und nur weil du neulich mit einer Person schlafen wolltest, musst du das jetzt nicht wieder tun.
Auch Zustimmung kann in Worten geäußert werden. Du kannst zum Beispiel sagen: „Das gefällt mir.“ Oder: „Wie schön!“ Zustimmung kannst du zum Beispiel zeigen indem du eine Umarmung oder einen erwiderst. Wenn du dir unsicher bist, darfst du das auch sagen. Zum Beispiel: „Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt möchte.“ Oder: „Irgendwie fühlt sich das komisch an. Ich möchte lieber noch warten.“ Das gilt auch als Ablehnung. Diese Bedenken sollte deine Partnerin oder dein Partner ernst nehmen und akzeptieren. Konsens sorgt für mehr Vertrauen, Nähe und .
Sprecht darüber was ihr wollt und was nicht!
Fragt einander: „Ist es okay, wenn ich dich küsse?“ – „Ich würde dich gern hier streicheln, ist das in Ordnung?“ Und sprecht darüber, was ihr gut findet und mögt: „Gefällt es dir, wenn ich dich so halte?“ Oder: „Ich mag es, wenn du mich dort berührst.“ Über Sex zu reden, fällt vielen am Anfang schwer, aber mit etwas Übung wird es leichter. Und es fördert das Vertrauen.
Zustimmung müsst ihr immer wieder neu einholen und geben. In einer ist Konsens also ein immer wieder neu geführtes Gespräch darüber, was sich jetzt gerade für euch beide gut anfühlt.
Woran erkennst du, dass etwas nicht stimmt?
Du hast große Lust auf Sex. Und die andere Person sagt auch nicht ausdrücklich „Nein“. Aber irgendwie fühlt sich die Situation komisch an. Vielleicht merkst du, dass es der anderen Person gerade unangenehm ist. Oder dass du dich unwohl fühlst. Nimm das Gefühl ernst und frage nach: „Ist es schön für dich, was wir gerade machen?“ Behandle andere so, wie du auch selbst behandelt werden möchtest.
Vorsichtig solltet ihr auch beim Thema Alkohol sein. Zu viel Alkohol oder Drogen können dazu führen, dass eine Person nicht mehr in der Lage ist, die Situation richtig einzuschätzen oder zustimmen zu können. Das ist von der Menge des Alkohols abhängig und von Person zu Person verschieden. Das heißt, du solltest keine Person küssen oder mit ihr schlafen, wenn sie betrunken oder berauscht ist. Auch solltest du keine Person küssen oder mit ihr schlafen, wenn du betrunken oder berauscht bist und dich nicht gut fühlst.
Und: Wenn du zum Beispiel denkst, dass du etwas mitmachen musst, auf das du aber keine Lust hast oder das dir unangenehm ist, sprich mit deiner Partnerin oder deinem Partner darüber. Wer dich wirklich mag, wird deine Grenzen ernst nehmen. Falls die Person deine Grenzen nicht akzeptieren möchte, sag deutlich: „Nein, das möchte ich (noch) nicht.“ Und gehe aus der Situation raus. Denke daran: Du kannst und darfst jederzeit Nein sagen. Du hast immer das Recht dazu.
Falsche Annahmen
Es gibt viele falsche Vorstellungen von Konsens. Dazu gehören zum Beispiel:
- Wir sind doch zusammen, Sex gehört dazu.
- Du willst das doch auch.
- Gestern wolltest du mich küssen. Also willst du es heute auch.
- Sie war feucht/er hatte eine Erektion, also war sie oder er einverstanden.
Das alles ist kein sicheres Zeichen für Zustimmung. Sicher kannst du dir nur sein, wenn du fragst. Gespräche über Sex müssen nicht immer direkt davor oder dabei stattfinden. Ihr könnt auch zu anderen Zeitpunkten darüber reden.
Was tun, wenn du dich unter Druck gesetzt fühlst oder sexuelle Handlungen gegen deinen Willen passieren?
Wenn du dich sicher genug fühlst, sprich die Person darauf an. Sag oder zeige ihr, dass du etwas nicht möchtest. Das ist in dein Recht!
Wenn das nicht möglich ist, hole dir Hilfe und Unterstützung. Du kannst dich beispielsweise an eine wenden. Die Mitarbeitenden kennen sich mit Situationen wie deiner aus. Sie stehen unter Schweigepflicht. Das heißt, sie dürfen niemandem sagen, was ihr besprecht – auch nicht deinen Eltern. Die Beratung ist kostenlos und geht auch anonym, also ohne, dass du deinen Namen nennst.
- Eine Beratungsstelle in deiner Nähe findest du auf unserer Seite Beratung & Hilfe. Wenn du deine Postleitzahl oder deinen Wohnort eingibst, werden dir passende Beratungsstellen angezeigt.
- Für Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer. Dort kannst du kostenfrei anrufen Montag - Samstag 14-20 Uhr: 116 111
- Für Mädchen und Frauen gibt es das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen. Dort kannst du jederzeit kostenfrei anrufen: 116 016.
- Für Jungen und Männer gibt es das Hilfetelefon Gewalt an Männern. Der Anruf ist ebenfalls kostenlos: 0800/1239900.
In Deutschland gilt rechtlich beim Sex (Zungenküsse, Petting, Geschlechtsverkehr) aktuell die Regel „Nein heißt Nein“. Das bedeutet: Sexuelle Handlungen sind strafbar, wenn sie gegen den erkennbaren Willen einer Person passieren. Es gibt aber Situationen, in denen jemand nicht Nein sagen oder sich wehren kann. Zum Beispiel aus Angst oder Schock. Oder nach dem Konsum von Alkohol oder Drogen.
Deshalb wird unter anderem in der Politik darüber diskutiert, ob die Regel „Ja heißt Ja“ Menschen besser vor sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen schützt. Diese Regel gibt es bereits in einigen anderen europäischen Ländern. „Ja heißt Ja“ bedeutet, dass nur eine klar ausgesprochene oder gezeigte Zustimmung als Einverständnis gilt. Dann müssen die Beteiligten sagen oder zeigen, dass sie etwas wollen. Wenn es keine eindeutige Zustimmung gab, ist der Sex strafbar. Du müsstest bei der Ja-heißt-Ja-Regel also sagen oder zeigen: „Ich möchte, dass du mich küsst“, sonst ist es verboten.
Wichtig für dich zu wissen: Konsens ist nur möglich für Dinge, die erlaubt sind. Und nicht in jedem Alter ist Sex erlaubt. Lies die genauen gesetzlichen Regelungen in unserem Text „Sex und Gesetz“.
- Über Sex reden: Wie kann ein gutes Gespräch über Sex gelingen?
- Sexuelle Erregung: Warum ist Feuchtwerden kein sicheres Zeichen für Zustimmung?
- Verhütung: Welche Verhütungsmethode passt zu euch?